«Frutigländer», 9. Februar 2007/Claudia Strobelt
Mundart als Teil der Identität
Seit ber fnf Jahrzehnten begeistert sich Luise Schranz-Hari aus Achseten fr das schriftstellerische Werk von Maria Lauber, der bekannten Frutiger Autorin und Dichterin. Schranz hatte die Freude, Lauber noch persönlich kennenzulernen. Sie engagiert sich dafr, dass das Schaffen und die Sprache der von ihr Verehrten nicht verloren gehen: Vom 12. bis 16. Februar 2007 organisiert sie eine Maria-Lauber-Woche im Krattiger Hotel Sunnehsi.

Maria Lauber gehörte zu den renommiertesten undartdichterinnen der Schweiz. 1951 erhielt die damals 60-Jährige den Buchpreis der Schweizerischen Schillerstiftung, und 1966 wurde sie mit dem Literaturpreis des Kantons Bern ausgezeichnet. Besonders ihre im Frutigtaler Dialekt verfassten Geschichten und Gedichte erfreuen sich auch rund ein Vierteljahrhundert nach ihrem Tode noch grosser Beliebtheit.

Sagen und vertonte Gedichte
Eine grosse Anhängerin der Schriften Maria Laubers ist Luise Schranz-Hari aus Achseten. Schranz trägt einiges dazu bei, die Erinnerung an die Schriftstellerin wach zu halten. Auf CDs und Kassetten hat Schranz Lauber ihre Stimme geliehen, und auf Lesungen gibt die geb
rtige Adelbodnerin im reinsten «Frutigdtsch» Kostproben aus dem umfangreichen schriftstellerischen Repertoire der Lauber zum Besten. Vom 12. bis 16. Februar ist es wieder soweit. Dann gestaltet Schranz im Hotel Sunnehsi in Krattigen eine ganze Maria-Lauber-Woche mit Sagen, vertonten Gedichten und Brauchtum.

Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren, in denen Schranz mit der Zweisimmerin Elisabeth Aebischer-Bhend – sie hat Lauber-Gedichte vertont – das Wochenprogramm im «Sunneh
si» bestritt, finden die beiden Frauen dieses Mal Untersttzung durch Oberländer Dichterinnen und Dichter und durch Chöre. Erika Wiedmer-Mani aus dem Diemtigtal, Andrea Jundt aus Stechelberg und der Frutiger Ueli Schmid gehören dazu. Umrahmt werden die Programmpunkte mit Lichtbildern aus dem Frutigtal, aufgenommen vom pensionierten Lehrer Ernst Ruch.

Eine begnadete Dichterin
Hier
ber dem Frutigtal, in Prasten, wurde Lauber 1891 alsBergbauerntochter geboren. Ihre Kindheit hat Lauber unter anderem in der Erzählung «Chngold» festgehalten, einem von Schranz Lieblingswerken, weil «das ein Zeitdokument ist, eine unerhört treffende und anschauliche Darstellung des damaligen Lebens, erzählt aus der Perspektive eines Kindes».

Die unverheiratet gebliebene Schriftstellerin war Lehrerin in Adelboden, Lenk und in Kien. 1952 wurde sie aus gesundheitlichen Gr
nden frhpensioniert. Laubers frhe Werke sind heimatkundlicher Natur, später verfasste sie Gedichte und Erzählungen im Frutigtaler Dialekt. In der jungen Lehrerin von Elsigbach, Luise Schranz-Hari, fand Lauber eine Liebhaberin ihrer Prosa und Lyrik. Die Begeisterung ging soweit, dass Schranz brieflich Kontakt zur Berufskollegin und Autorin suchte: der Beginn einer fruchtbaren und bis zu Laubers Lebensende anhaltenden Beziehung.

«Maria Lauber hat damals im Radio gelesen, war also schon bekannt», erinnert sich Schranz, «als sie dann aus gesundheitlichen Gr
nden ihre Werke nicht mehr selbst vortragen konnte, fragte sie mich, ob ich fr sie lesen könne. Eine Aufgabe, die ich sehr gerne wahrnahm und die ich nach ihrem Tode und bis zum heutigen Tag weiterfhrte.» Gerade durch ihre zeitlebens angegriffene Gesundheit habe Lauber zur tieferen Thematik finden können, glaubt Schranz. Lauber sei fr sie eine begnadete Dichterin, eine meisterhafte Erzählerin, gerade auch der Sprache wegen.

«Wa bin ig dahiimä?»
F
r Schranz ist die Mundart «ein wichtiger Teil unserer Identität. Hier ist unsere geistige Heimat, im Dialekt sehe ich ‹wa bin ig dahiimä› und kann mich besser und wirksamer ausdrcken.» Wenn die Mundart nicht mehr weitergegeben werde und dadurch irgendwann verschwinde, gehe ein grosses Stck Kultur verloren. «Es kann viel aus der Mundart herausgeholt werden, wenn wirkliche Dichterinnen und Dichter sie handhaben.» Fr Schranz ist es in diesem Sinne ein grosses Anliegen, die Werke Maria Laubers auch heute noch unter die Leute zu bringen. In Elisabeth Aebischer und in Hedwig Fiechter, der Geschäftsfhrerin des «Sunnehsi», hat Schranz Gleichgesinnte gefunden. Die drei Frauen haben sich fr dieses Jahr etwas Besonderes berlegt. In Krattigen können Zuhörerinnen und Zuhörer während einer Woche Mundart-Schriftstellerinnen und -Schriftsteller aus dem Berner Oberland sehen und hören. «Wir handeln das Thema Literatur und Sprache in diesem Kreis nicht wissenschaftlich ab, sondern eher gesellig», so Schranz. «Diejenigen, die den Dialekt in ihren Werken pfl egen, sollen zu Wort kommen.»