Arnold Gottlieb Bühler
15.3.1855 Brienz-26.4.1937
Frutigen

Am 13. März 1855
als Sohn des Arztes Samuel Jakob Bühler geboren, wuchs Gottlieb
Bühler mit zwei Brüdern und einer Schwester in Brienz auf, wo er
die Primar- und die Sekundarschule besuchte. Nach einer
Gerichtsschreiberlehre in Burgdorf schloss er 1878 sein
rechtswissenschaftliches Studium ab. Nach dem Tod seiner ersten
Frau heiratete er ein Jahr darauf Marie Wilcoks, geborene
Schneider, mit der er zwei Söhne hatte.96
Ab 1878 bis zu seinem Tod am 26. April 1937 amtete er als Verwalter
der Ersparniskasse Aeschl und zwischen 1890 und 1937 als Bankrat
der Berner Kantonalbank. 1881 wurde er sowohl zum
Gemeindepräsidenten als auch in den Grossen Rat gewählt, in dem er
seinen Wahlkreis Frutigen als Radikaler sowie ab 1919 als Vertreter
der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartel (BGB) vertrat. Von 1899 bis
1922 sass er im Nationalrat in der radikal-demokratischen Gruppe.
Im Militär wurde er 1903 Oberst.
Weitere Ämter besetzte er in der VKWH: Zwischen 1903 und 1909
gehörte er ihrem Verwaltungsrat an, 1907 wurde er als Ersatzmann
des Verwaltungsausschusses gewählt. Auch bei der BLS hatte er
verschiedene Funktionen inne: Zuerst war er Mitglied des leitenden
Ausschusses im Bernischen Initiativkomitee für eine Lötschbergbahn,
ab 1906 Verwaltungsrat und ab 1912 Delegierter des Verwaltungsrates
für Schutzbauten und Aufforstungen der BLS.
Daneben betätigte sich Gottlieb Bühler vor allem als umtriebiger
Initiator verschiedenster Projekte im Infrastrukturbereich: 1894
gründete er ein Elektrizitätswerk in Frutigen, zwei Jahre darauf
initlierte er die Aktiengesellschaft für die elektrische
Beleuchtung in Frutigen,98 1890 die Thunerseebahn, 1898 die
Spiez-Frutigen-Bahn, 1904 die Niesenbahn und 1906 die
Lötschbergbahn. Zudem war er Mitbegründer der BKW und der
Kraftwerke Oberhasli (KWO).
Dieses wirtschaftliche und politische Engagement machte ihn nicht
nur zum «Dominator der Lokalpolltik im östlichen Oberland»99,
sondern bescherte ihm eine ansehnliche Anzahl Ämter in
Verwaltungsräten und Direktorlen, wie es für die kantonalbernische
radikale Elite um die jahrhundertwende üblich war. Seine Söhne und
Enkel folgten ihm teils in seine Amter und Positionen nach und
machten ihn damit zum Begründer einer Dynastie, die im Bahnbau und
in politischen Ämtern im Frutigland später immer wieder vertreten
war.
Trotz seiner juristischen Ausbildung übernahm er auch technische
Arbeiten. Er leitete 1900-1904 die Kanderkorrektion und die
Verbauung diverser Wildbäche sowie die Aufforstung im Zuge der
Schutzbauten entlang der Lötschberglinie. Dafür zeichnete ihn die
Eidgenössische Polytechnische Hochschule 1935 mit dem
Ehrendoktortitel aus.
Quelle: Berner
Zeitschrift für Geschichte und Heimatkunde, Heft 2
«Lötschbergbahn»
Weitere
Informationen
* Wirken und Schaffen